15. Leipziger Hörspielsommer
im Richard-Wagner-Hain Leipzig

7. bis 16. Juli 2017

Vom 25. bis 27. August veranstaltet der Hörspielsommer e.V. in Kooperation mit den Luthergedenkstätten in Wittenberg ein kleines Hörspielfestival. Jeweils ab 19 Uhr präsentieren wir auf dem Hof des Lutherhauses (Collegienstraße 54) in gewohnter Hörspielsommer-Manier preisgekrönte Hörstücke. Höhepunkte dieses Festivals sind der Live-Act CANDLELIGHT DYNAMITE am Samstagabend sowie die Hörspielwerkstatt für Kinder am Sonntag. Der Eintritt ist frei.

Programm

Freitag, 25. August
Thementag: Also leicht wird das nicht…

19.00 Uhr (V)erdacht
von Ajan Hannemann, Dominik Litfin, Sibylle Neumeier, Markus Rebholz und Stephan Reinowski; Regie: Markus Rebholz
Länge: ca. 35 min

Zwischen Verfolgungswahn und Ängsten der Vergangenheit – das aufwändig produzierte Hörspiel erzählt die Geschichte eines ehemaligen Fluchthelfers, der sich noch immer im Visier der Stasi wähnt. Auch die Beschwichtigungsversuche seiner alten Freunde helfen nicht – könnten sie doch übergelaufen sein und mit ‘denen’ unter einer Decke stecken.

19.40 Uhr Tobi
von Sebastian Hocke und Andrej Tschitschil; Regie: Sebastian Hocke
Länge: ca. 17 min

Kennen wir uns wirklich selber? Ist da noch jemand hinter den Augen, die uns aus dem Spiegel heraus angucken? Ein junger Mann arbeitet in einer Tierhandlung und trifft dort auf einen alten Bekannten aus Kindertagen. Wer hat damals wen geärgert? Wer hat das Feuer gelegt, in dem die Kaninchen der Klasse verbrannten? Wer hat den Schuppen angezündet, in dem Tobi, der Hund, eingesperrt war? Gebüßt dafür hat der junge Mann, wurde jahrelang einer Therapie unterzogen und wanderte von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. Doch jetzt ist die Zeit der Abrechnung gekommen.

20.00 Uhr Preface: Demonstration
von friendly fire (Michael Wehren und Melanie Albrecht); Regie: Michael Wehren
Länge: ca. 23 min

Trillerpfeifen, Motorengeräusche, Sprechchöre – seit Januar 2015 gehen Leipziger Bürger wöchentlich auf die Straße, um gegen die Meinungsmache von Legida zu demonstrieren. Melanie Albrecht ist Teil dieser Bewegung und hat in einer Stadt des Aufruhrs nach dem Klang des Protests gesucht. Zwischen Straße und Disko, Noise und Pop fand sie eine geräuschvolle Welt, die sie zu einer rhythmisch-eindrucksvollen Live-Bricolage zusammengesetzt hat. Diese lässt alles, nur nicht kalt!

20.30 Uhr Also leicht wird das nicht…
von Dina und Julia Boswank
Länge: ca. 22 min

Wir nicken ihn ab, weisen ihn kopfschüttelnd von uns, und kommentieren ihn: den Kommentar. Das exzessive Kommentieren wird derzeit zum Gradmesser gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse über den Umgang mit Fremdheit und Integration. Mit Mikrofon und Aufnahmegerät streifen Dina und Julia Boswank durch Chemnitz und lassen Passanten kommentieren, was die Diskursmaschine zu verzeichnen hat.

Samstag, 26. August
Thementag: Goethe goes Gegenwart

19.00 Uhr Magie, Mystik und Musik. Ein experimentelles Hörstück mit szenischen Hörspielen basierend auf Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust”
von Friedemann Brenneis, Amelie Becker; Regie: Friedemann Brenneis, Amelie Becker
Länge: ca. 37 min

Wie bearbeitet Schumann Goethes Text? Welche Szenen wählt er aus und welche Rolle spielt dabei die Musik? Unterbrochen werden wissenschaftliche und interpretierende Beschreibungen der Schumannschen Musik von fiktiven Szenen eines modernen Faust, der als Rockmusiker ein junges Mädchen kennenlernt, später eine Familie gründet, seine Träume für einen sicheren Job und eine erfolgreiche Karriere aufgibt, um als einsamer Gelehrter zu altern.

19.40 Uhr Werthers versehrtes Herz
von Butterland (Regina Dürig und Christian Müller); Text: Regina Dürig; Musik: Christian Müller
Länge: ca. 13 min

Ein phonetisches Spiel ums Erkennen, Streben, Begehren, Sehnen, Flehen und Vergehen. Das Schweizer Duo Butterland interpretiert Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther” neu und wendet sprachliche Spielereien von Georges Perec auf ausgewählte Briefe Werthers an Lene an. Eine ebenso wichtige Erzählstimme ist die Klangebene. Verfremdete Klarinettentöne mischen sich unter Werthers wortgewaltige Herzschmerzen.

20.00 Uhr LIVE-ACT CANDLELIGHT DYNAMITE „Die Wilden Schwäne“
Die Künstlergruppe Candlelight Dynamite, die schon 2015 mit ihrem Stück „Die Giganten des Universums“ bei uns auf der Wiese war, spielt LIVE in Wittenberg „Die Wilden Schwäne“. Das 45-minütige Live-Hörspiel ist an das Märchen von Hans Christian Andersen angelehnt und begeistert mit wunderbaren selbstgemachten visuellen sowie akustischen Elementen. Dieser Live-Act ist also nicht nur ein Hör-, sondern auch ein ganz besonderes Seherlebnis!

Sonntag, 27. August

10.00 Uhr und 15.00 Uhr HÖRSPIELWERKSTATT für Kinder von 9 bis 12 Jahren
Länge: ca. 1,5 bis max. 2,5 Stunden (je nach Teilnehmerzahl)
Um eine Voranmeldung bei Michael Dieminger wird gebeten! Per E-Mail: michael.dieminger@martinluther.de oder per Telefon: 015786423837

Der letzte Festivaltag startet mit einer Hörspielwerkstatt für die Kleinen. Im Garten des Melanchthonhauses können alle Kinder zwischen 9 und 12 Jahren das Medium „Hörspiel“ und seine Eigenheiten näher kennenlernen. Danach können die Klangforscher_innen den Garten erkunden und spannende Geräusche aufnehmen, mit denen sie schließlich ihr eigenes kleines Hörspiel vertonen.

Thementag: „Auf dem Weg ins Anderswo“

19.00 Uhr Die Katze
von Antonia Baum; Regie: Jana Allerding
Länge: ca. 32 min

In der grauen, routinierten Maschinerie der Stadt herrscht Einsamkeit. Menschen leben alleine in riesigen Wohntürmen und steigen Nacht für Nacht auf der Suche nach Freiheit in die unzähligen, miteinander verbundenen Kellergewölbe des ganzen Molochs hinab. Musik, Tanz, Alkohol, Maskerade und Ekstase sind hier die unangefochtenen Herrscher. Ein Mädchen tritt in diese Welt ein und durchlebt, getrieben von der Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Zuwendung, einen unglaublichen Wandel. Eines Tages verschwindet sie einfach spurlos. Wer ist für ihr Verschwinden verantwortlich? Jana Allerding verpackt in dieser Fabel voll düsterer Traumästhetik eine messerscharfe Analyse gesellschaftlicher Dynamiken und unterlegt diese mit dem pulsierenden Beat der Großstadt.

19.40 Uhr Kasper Hauser
von Nick-Julian Lehmann; Text, Regie, Schnitt, Ton und Sprecher: Nick-Julian Lehmann; Produktion: Exkurs Zwischenräume e.V.
Länge: ca. 9 min

Kaspar Hauser erscheint am 26. Mai 1828 geistig und körperlich verwahrlost auf einem Marktplatz in Nürnberg. Er hat wahrscheinlich den größten Teil seines Lebens in einem Kellerloch verbracht. Der Jurist Anselm Ritter von Feuerbach schreibt einige Jahre später seine Studie „Kaspar Hauser oder Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben eines Menschen“. Unklar bleibt, ob damit nur die Jahre im Kellerloch gemeint sind oder ebenso die in der Öffentlichkeit. Eine Geschichte, die sich 2016 wie folgt abgespielt hätte …

19.50 Uhr Bitte keine heiße Asche einfüllen!
von Lorna Johannsen; Regie, Schnitt, Ton und Sprecher: Ludwig Müller
Länge: ca. 6 min

Wo landen wir nach dem Tod? In Lorna Johannsens Hörspiel gehen wir gut verpackt in einer recycelten Burgerschachtel ins Jenseits über. Unsere Angehörigen können unser Grab dank QR-Code und personalisiertem Klingelton leicht wiederfinden. Das Hörspiel „Bitte keine heiße Asche einfüllen!“ handelt vom ersten Arbeitstag einer jungen Frau in der skurrilen Welt der Fließband-Bestattung.

20.00 Uhr Der Bär
von Simak Büchel; Regie, Schnitt und Ton: Philipp Klose; Sprecher: Sebastian Kowski
Länge: ca. 12 min

Irgendwo in einem entlegenen Gebirgswald am Rande Europas ist ein Naturforscher unterwegs. Erfolgt dem Bären, dessen Halsband ein Signal aussendet, um anhand seiner Bewegungsmuster herauszufinden, ob es so etwas wie den freien Willen gibt. Seit Wochen ist er nun schon allein unterwegs in der Wildnis und spricht seine Beobachtungen und Erlebnisse auf sein Diktiergerät, bis er schließlich selbst an der Sinnhaftigkeit seiner Aufgabe zweifelt und seine Welt aus den Fugen gerät.

20.15 Uhr Vorerst niemals Chicago
von Stephan Roiss & Tortoma; Text, Regie und Schnitt: Stephan Roiss; Musik: Tortoma (Markus Theisen, Dirk Borho, Heiko Ruth); Mix: Mario Stadler; Sprecher*innen: Stephan Roiss, Markus Theisen, Mario Stadler, Silke Müller
Länge: ca. 40 min

Die Geschichte einer Freundschaft. Er vereinbart mit sich und ihm, dass Chicago erst aufgesucht werden dürfe, wenn einer von beiden nicht mehr am Leben sei. Eindrücklich sprechen ungleichzeitige Möglichkeitsformen des Subjekts über- und miteinander — bis der Affe im Medikamentenschrank auftaucht, „der Neue” das Etablissement betritt.