15. Leipziger Hörspielsommer
im Richard-Wagner-Hain Leipzig

7. bis 16. Juli 2017

Die Jury des 12. Internationalen Hörspielwettbewerb besteht aus Elena Zieser (Vorjahresgewinnerin), Johanna Steiner (Lauscherlounge) und David Fischbach (Buchfunk Verlag).

Wer gewann, warum:

    Die beste Idee
    Trabant Z1: Mythos auf vier Rädern – Eine Retrospektive
    von Jean-Reiner Jung & Philip Boesecke
    Regie: Jean-Reiner Jung & Philip Boesecke

    In der Kategorie „Beste Idee“ haben wir uns für „Trabant Z1“ entschieden. „Trabant Z1: Mythos auf vier Rädern“ ist eine Radio-Mockumentary über eine fiktive Kinderhörspielserie der späten DDR.
    Mit schwarzen Humor und anarchistischer Konzeption wählen die Autoren Jean-Reiner Jung und Philip Boesecke eine Erzählform, der keine Grenzen gesetzt sind: Auf die Schippe genommen werden Radioformate, westdeutsche Kinderhörspiele der 80er Jahre sowie Propagandamechanismen der späten DDR.
    Sowohl in den Hörspielszenen als auch in den Magazinsequenzen gelingt es ihnen, die zitierten Formate perfekt zu imitieren.
    Das Sounddesign schafft es nicht nur einen existenten Sound zu treffen, sondern auch völlig unverwechselbar zu klingen. Besonders erwähnenswert ist hierbei die Tatsache, dass die Macher so gut wie alle Sounds selbst produziert haben.
    Ihre Auseinandersetzung mit dem Medium ist stets kurzweilig, teilweise grotesk komisch und nie unverzeihlich albern.
    Dieses Hörspiel im Hörspiel ist nicht nur eine charmante Liebeserklärung an Kult-Serien und deren Fans, sondern auch ein Beweis dafür, dass diese nostalgische Begeisterung Impulse für neue, innovative Projekte setzen kann.

    Die beste Inszenierung
    Eigengrau
    von Ludwig Berger
    Regie: Ludwig Berger

    In der Kategorie „Beste Inszenierung“ gewinnt das Stück „Eigengrau“ von Ludwig Berger.
    Dieses künstlerische Feature beschäftigt sich mit der Dunkelheit und ihrer Auswirkung auf Mensch und Gesellschaft. Beleuchtet werden vier verschiedene lichtlose Räume: eine Höhle, ein Dunkelrestaurant, ein Dark Room und ein Konzert im Dunkeln.
    Die Vertonung der optischen Stille und unserer Wahrnehmung davon, zieht den Hörer in eine fremde Welt, die von Klang beherrscht wird.
    Der Macher führt einem vor Augen, wie komplex und vielschichtig das Gehör funktionieren kann. Die gedoppelte Reduzierung in Inhalt und Form auf das Hörbare, führt zu einer Auseinandersetzung des Hörers mit sich selbst und seiner Sinneswahrnehmung.
    Berger zeigt auf, dass das Hören im Vergleich zum Sehen einen intuitiveren, weniger rationalen Zugang zur Welt ermöglichen kann.
    Neben Konzeption und akustischer Umsetzung besticht die Inszenierung durch die Verwebung von informativen und künstlerisch-atmosphärischen Elementen. Die Entdeckung der eigenen „Schattenseite“ macht „Eigengrau“ zu einem persönlichen und berührenden Hörerlebnis.

    Das beste Klangbild
    Play Back
    von Florian Hohnhorst
    Regie: Florian Hohnhorst
    „Play Back“ von Florian Hohnhorst gewinnt in der Kategorie „Bestes Klangbild“.
    Dieses Hörstück setzt sich mit den Theorien, Mythen und Geschichten der Stimme und ihrer Aufzeichnung auseinander.
    Als verwendete Mittel dienen fingierte Experteninterviews, Hörspielszenen, Nachrichtentexte und Briefe eines Ethnologen und dessen Aufzeichnungen von Südseestimmen und -gesängen um 1900. Auf klanglicher Ebene collagiert Hohnhorst gekonnt Stimmen, Geräusche und Atmosphären und lässt Inhalt und Form unausweichlich miteinander verschmelzen.
    Das Klangbild ist nicht nur illustrierend sondern ein integraler Teil der Handlung. Das Rauschen von verschiedenen Aufzeichnungsmedien, vom Wachszylinder über das Radio zum Kassettenrekorder, zieht sich durch das gesamte Stück und macht so deren Bedeutung greifbar. Die Vielschichtigkeit der Erzählweise, das Collagenhafte und die Bedeutung des Klangs dieses anspruchsvollen Hörstückes fordern und belohnen den Hörer gleichermaßen.

    Lobende Erwähnung

    Tobi
    von Sebastian Hocke & Andrej Tschitschil
    Regie: Sebastian Hocke
    Eine lobende Erwähnung erhält das Stück „Tobi“ von Sebastian Hocke und Andrej Tschitschil. Das Monolog-Hörspiel besticht durch einen starken Text, eine authentische Performance und ein pointiertes Sounddesign.
    Aus Alltagsgeschichten und Erinnerungen entspinnt sich das Psychogramm einer Straftat.
    Die kindlichen Erinnerungsfragmente machen den Stoff emotional zugänglich und nachvollziehbar. Das spartanische Sounddesign steigert sich eng verwoben mit der Dramaturgie und erzeugt ein glaubwürdiges, spannendes Hörerlebnis.